Das Mondhaus
Das Mondhaus dehnt sich zunehmend aus.
Bald ist es ein Vollmondhaus.
Dann besinnt es sich auf seine Figur
und nimmt ab.
Es wird zum Halbmondhaus.
Immer dünner wird es, die Dunkelheit wächst.
Nur eine schmale Lichtsichel gibt Raum im Haus.
Wenn es vollkommen dunkel ist, dann dürfen wir hoffen.
Denn das dunkle Haus wird zum Neumondhaus.
Das Licht nimmt wieder zu.
Das Mondhaus wächst.
Es wird zum Halbmondhaus.
Bald ist es ein Vollmondhaus.
Dann besinnt es sich auf seine Figur,
nimmt ab
und wird wieder zum Halbmondhaus.
Es kommt aus dieser Nummer
nicht mehr raus.
Wir haben Listen geschrieben mit Häusern, die es nicht gibt. Sowas wie Atemhaus, Nachthaus, Seifenblasenhaus, Zimtschneckenhaus, Wellenhaus.
Und dann galt es, sich ein Haus aus der Liste auszusuchen und darüber zu schreiben.
So entstand mein Text zum Mondhaus.
Diese Übung hat uns in unserer Schreibgruppe viel Freude gemacht und überraschende Texte hervorgebracht.
Über welches Haus schreibst du?

Seit dreißig Jahren findet am Pfingstmontag der Deutsche Mühlentag statt. Die Mühlen sind für Besucher geöffnet und zeigen das traditionelle Müllerhandwerk. Ins Leben gerufen wurde der Mühlentag durch die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung.
Mir gefällt, dass dieser Mühlentag am Pfingstmontag stattfindet. Wir feiern am Sonntag den Heiligen Geist und besuchen am nächsten Tag eine Windmühle. Eine Kraft, die nicht zu sehen und doch spürbar ist, treibt eine Windmühle an. Das ist ein schönes Bild für den Heiligen Geist. Auch dieser ist nicht sichtbar und dennoch kraftvoll. Pfingsten ist ein guter Anlass, um über den Heiligen Geist nachzudenken. Wir spüren instinktiv, welcher Geist in einer Situation wirkt. Ist es ein guter Geist? Oder ein Geist der Spaltung? Wir reden vom Zeitgeist und manchmal geht uns etwas auf den Geist.
Jesus versprach den Jüngerinnen und Jüngern, ihnen seinen Geist zu senden. Nach seinem Tod gab es unter ihnen viel Verzagtheit. Das änderte sich an Pfingsten. Plötzlich war da ein kraftvoller Geist. Schluss mit den verschlossenen Türen. Schluss mit der Ängstlichkeit. Begeistert gingen die Jünger hinaus. Sie benahmen sich so, dass die Menschen in Jerusalem dachten, sie wären betrunken. Petrus spricht in seiner Pfingstpredigt: „Dies sollt ihr wissen, achtet auf meine Worte! Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Tag; sondern jetzt geschieht, was durch den Propheten Joël gesagt worden ist: In den letzten Tagen wird es geschehen, / so spricht Gott: / Ich werde von meinem Geist ausgießen / über alles Fleisch. / Eure Söhne und eure Töchter werden prophetisch reden, / eure jungen Männer werden Visionen haben / und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde / werde ich von meinem Geist ausgießen / in jenen Tagen und sie werden prophetisch reden.“ (Apg. 2,14-18)
Petrus zitiert hier den Propheten Joël. Denn mit Gottes Geist hatten die Menschen auch zur Zeit des Alten Testamentes ihre Erfahrungen gemacht. Der Geist wirkt in allen: in Söhnen und Töchtern, Jungen und Alten, Knechten und Mägden. Nicht nur in der Geistlichkeit. Es ist ein Geist, der aus der Enge und Angst in die Weite und ins Vertrauen führt. Er wirkt in allen, die sich ihm öffnen. Das ist wie bei einer Bockwindmühle: sie kann sich dem Wind entgegen drehen, um den optimalen Wirkungsgrad zu erreichen. Menschen sind dazu fähig, sich Gottes Geist zu zuwenden.
Das Pfingst-Geschehen ist Geschichte. Dieser Geist jedoch wirkte nicht nur damals – er will uns heute, hier und jetzt bewegen.
Diesen Text habe ich im letzten Jahr geschrieben, für unser Pfarrblatt. Solche Texte entstehen, werden veröffentlicht und verschwinden dann wieder. Oder sie schaffen es in den Blog.
der winter lehrt uns
licht und wärme zu suchen
und weiter zu geben
Mitte Februar war ich ein paar Tage in Erfurt. Aus Gründen es Tapetenwechsels und zum Schreiben.
Dieses Foto ist dort entstanden. Jetzt, wo der Winter zu Ende geht, denke ich darüber nach. Was habe ich in den dunklen, kalten Monaten gelernt?
Mit welcher Hoffnung geht es in den Frühling und für mich in ein neues Lebensjahr?
Kürzlich waren wir in Liberec / Reichenberg in einer Ausstellung von Zdena Kolečková "Ein Körnchen in der Zeit"
Von dort stammt das Foto. Mir gefiel die Zeitbezeichnung: in der Stunde zwischen Hund und Wolf.
Ich begann gleich mit der Suche nach ähnlichen Bildern - die Stunde zwischen Nachtigall und Hahn.
Die Stunde zwischen Kaffee und Mineralwasser.
Am liebsten ist mir die Stunde zwischen Tastatur und Bleistift. Wenn ich die Arbeit für meinen Job beiseite lege und zum Eigenen, zum Eigentlichen kommen kann.
Momentan sind wir der Stunde zwischen Konfetti und Aschekreuz nahe.
Welche Zwischenzeiten fallen dir ein?
erster versuch:
kaputt die welt,
kaputt auch ich.
und trotzdem fliegen?
ich kann es nicht.
zweiter versuch:
verletzt die welt,
verletzt auch ich.
kann es denn heilen?
hoffentlich.
dritter versuch:
verletzt die welt,
verletzt auch wir.
wir können`s heilen,
sind dazu hier.
Das Foto habe ich im Dezember aufgenommen, der Vogel klebt an der Scheibe einer Bushaltestelle.
Lange habe ich um einen Text zu diesem Bild gerungen. Dieses Ringen hat schließlich dem Gedicht seine Form gegeben.
Die Welt fühlt sich kaputt an. Kann sie heilen?
Ich selbst bin seit langem mit Gesundwerden beschäftigt. Kleine Dinge zeigen mir: es geht voran. Ich schreibe wieder. Auch hier.
Das neue Jahr beginnt mit Hoffnung und Hoffnungssuche.
Gegeben: hohe Erwartungen und Sehnsucht nach Harmonie
Gesucht: ein Rezept für perfekte Feiertage
Lösungsansätze:
Der Ladenbesitzer rechnet mit einem guten Weihnachtsgeschäft.
Der Pfarrer rechnet mit einer vollen Kirche.
Der kleine Junge rechnet mit coolen Geschenken.
Die Hausfrau rechnet nach, wie viele kommen werden und ob das Essen reicht.
Viele rechnen mit Einsamkeit.
Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Wie kann die Weihnachtsgleichung aufgehen, wenn jeder mit etwas Anderem rechnet?
Die Zeit drängt, ja sie saust förmlich – bald ist Heiligabend. Die besinnlichste Zeit des Jahres entpuppt sich unterm Bruchstrich als gut gefüllt. Oft als zu gut gefüllt. Und dann tropft auch noch der Schmalz aus dem Radio beim Klang der süßen Glocken, die süßer nie klingen als jetzt. (Der Mathematiker hält das für ein Gerücht. Warum sollten Glocken nicht auch im Mai süß klingen können? Entschuldigung, das war eine Abschweifung)
Wir sind immer noch auf der Suche nach der Formel für die perfekten Feiertage. Wie wäre es, wenn wir über alle Variablen Lametta hängen würden? Und diese gut gefüllte Zeit nicht nur als Aufgabe in Sachen Perfektion sehen könnten? Sondern etwas Leichtigkeit beigeben?
Dann erinnern wir uns vielleicht daran: was wirklich zählt, das können wir nicht machen, nicht kaufen und auch nicht schön einpacken.
Das, was zählt, wird uns geschenkt.
Wir feiern an Weihnachten die Geburt eines Kindes. Jesus, der Erlöser – er kann unsere menschlichen verzwickten Rechenaufgaben lösen – indem er Licht, Liebe, Hoffnung und Vertrauen in den Vordergrund rückt.
Und mit diesen Komponenten, mit Licht, mit Liebe und Hoffnung dürfen wir immer rechnen. Ganz besonders jedoch an Weihnachten.
Barfuss
im Herzen
als Mensch
unter Menschen
und nicht gewillt,
ohne Zuversicht
zu leben.
Dieses Gedicht ist eine Hommage an Reiner Kunze. Am Wochenende spreche ich über ihn, Mascha Kaléko und Eva Strittmatter im Exerzitienhaus in Birkenwerder bei Berlin.
Anmeldungen sind noch möglich.
Immer
wenn ich
die Yogamatte
hervorhole,
dann rolle
ich mir selbst
den roten Teppich aus.
Oft beschließen wir den Abend in meinem Kurs für kreatives Schreiben mit dem Schreiben von Elfchen. Diese Woche schrieben wir zum Thema Herbst. Elfchen sind Gedichte aus elf Worten, die auf fünf Zeilen verteilt werden. Das Schema ist an den Beispielen gut zu erkennen. (1 Wort, 2 Worte, 3 Worte, 4 Worte, 1 Wort)
Es ist erstaunlich, wieviel damit gesagt werden kann.
Hier seht ihr meine Elfchen. Hat man erst eines geschrieben, wollen meist noch weitere aufs Papier. Wenn du magst, dann probiere das aus.
Kastanien
glänzend braun
in der Stachelschale
ich sammle sie auf
Herbstglück
Morgennebel
überm Feld
und rote Rücklichter
vor mir als Leitsterne
Arbeitsweg
Zeitumstellung
ist bald
Gott schenkt dir
eine ganze Stunde sag
Danke
Es
wird dunkler
es wird kälter
Endlich ist es soweit
Bratapfelzeit
Carola ist zusammengeklappt.
Kurz vorher noch
hat sie
alle Lasten getragen
wie immer.
Carola ist zusammengeklappt.
Jetzt schauen alle hin zu ihr.
Wenn das,
was mir
aus der Feder fließt,
Flügel
verleiht.
Beim Nachdenken über ein Gedicht mit "F" fiel mir zuerst das Wort Feder ein. Ich wollte es sofort verwerfen, weil es nach Gänsehaut und aufgescheuchtem Geflügel klang.
Im nächsten Moment war die Schreibfeder da und im übernächsten das ganze Gedicht.
Ich bin dankbar, dass dieses erste Gedicht des Jahres 2024 ein so positives geworden ist. Wo ich die Welt um mich herum so kaputt erlebe.
Es zeigt mir, was ich eigentlich wissen müsste, worum es hier im Blog ja auch seit Jahren geht: Kreativität kann ein Licht anzünden im Dunkeln. Und im besten Fall kann sie uns beflügeln.
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Schreiben und andere kreative Wege durch den Tag
Schreiben,
sich selbst verlieren,
auf kreativen Wegen
durchs Leben gehen,
Inspirationen sammeln,
sich wieder finden.
